Hans-Jürg Rickenbacher, Tenor

If Musicke and sweet Poetrie agree

As they must needs, the Sister and the Brother,

Then must the love be great twixt thee and me,

Because thou lov’st the one and I the other.


William Shakespeare: The Passionate Pilgrim VIII



Dozentur an der Hochschule Luzern


Nach zehnjähriger Unterrichtstätigkeit an der Musik-Akademie Basel übernehme ich ab September 2010 eine Gesangsdozentur an der Hochschule Luzern


Nach zahlreichen Gastspielen in der Musikstadt Luzern freue mich sehr auf die neue Herausforderung und längerfristige Verpflichtung an diesem Ort voller Tradition und Aufbruch.


Meine Vision der Luzerner Hochschule im Jahr 2020 an Hand eines frei erfundenen Gesprächs in der Cafeteria des neuen Campus:

HSLU 2020

Vier Studierende der HSLU treffen sich nach einer szenischen Musiktheaterprobe im „ImproviSee“


Hannah: Hier ist noch ein Tisch frei mit Seeblick. Nach der hektischen Probe brauche ich dieses ruhige Bild.


Silvain: Ist auch selten genug, dass überhaupt etwas frei ist um diese Zeit. Nachmittags werden wir meistens von Familien und Touristen überrannt, die den Neuen Lido besuchen wollen.


Luiz: Das ist wohl der Preis für den Neubau. Hätte nicht Zumthor gebaut, wäre der Andrang wohl kleiner aber mir gefällt das Gewimmel. Das ImproviSee ist eine angesagte Kneipe geworden und wir haben dank der reduzierten Preise die Möglichkeit, uns an einem wirklich schönen Ort zu treffen.


Uma: Es tut mir Leid, dass wir nicht ganz durchgekommen sind aber ich musste die Stelle so oft wiederholen, weil ihr rhythmisch einfach noch zu unsicher wart.


Hannah: Ja, ich weiss aber du mutest uns auch einiges zu, Silvain. Hättest du die Singstimmen nicht etwas einfacher schreiben können ? Ich habe mich daran halb zu Tode geübt.


Silvain: Mir gefallen halt diese Überlagerungen und im Raum klingt es echt toll. Eure Stimmen verschmelzen stellenweise zu einem einzigen, schillernden Klang.


Luiz: Ja, die Salle Modulable klingt schon erstaunlich. Ich hätte nie gedacht, dass wir darin ohne Verstärkung so gut durchkommen. Sonst sind die Instrumente doch immer zu laut aber mit dem beliebig verstellbaren Graben und  Bühnenwinkel sind die Sänger wirklich gut bedient.


Hannah: Nur schade, dass wir so wenig Probezeiten in der Modulable bekommen. Nach der Probebühne ist es immer ein Schock...


Uma:  ...aber ein Wohltuender ! Das Luzerner Theater ist halt ständig am Probieren und während des Lucerne Festivals kommen wir überhaupt nicht mehr rein.


Silvain: Immerhin klingen die beiden Kammermusiksäle der HSLU so gut, dass man musikalisch mit fast den gleichen Bedingungen proben kann.


Luiz: Nur müssen wir uns dann jeweils in kürzester Zeit an die ganze Technik gewöhnen und wenn du auf der Bühne plötzlich ein völlig anderes Licht hast und einen Regisseur, der alles noch einmal ändert, dann wirst du schon gefordert.


Hannah: Ich finde es genial, dass die Regisseure des Theaters bei uns Workshops geben.  An welcher Hochschule kannst du als Studentin ständig in Bühnenproben reinsitzen und darauf mit den gleichen Leuten selbst arbeiten ?


Luiz: Ein Glücksfall, dass die drei Direktoren so gut zusammenarbeiten und unsere Gesangslehrer voll mitziehen. Ohne die gemeinsame Vorbereitung in der Musiktheaterwoche hätte ich die Partie nie so gut draufbekommen.


Hannah: Es stimmt, das „magnetische Feld“, von dem sie gesprochen haben, existiert tatsächlich. Der Hauptfachlehrer ist zwar am Anfang die wichtigste Instanz aber die Summe des ganzen Studienfeldes ist wirklich mehr als seine Einzelteile.


Uma: Ich beneide euch um das hauseigene HNO-Zentrum, das ihr frei besuchen könnt. Das Spektrogramm deiner Formanten war faszinierend, Luiz, und die Luzernerinnen und Luzerner kommen auch in Scharen...


Luiz: ...vor allem die Erkälteten ! Aber vor zwei Jahren hat mir das Zentrum meine Stimme gerettet. Ich wollte nicht glauben, dass mein Stimmbandschluss nicht stimmt aber die Diagnose war ernüchternd und die Therapie hat geholfen.


Hannah: Wenn Ärztin, Gesangslehrer und Logopädin sich austauschen und alle im Campus am selben Strick ziehen, ist schon viel gewonnen.


Silvain: Mir wird dieses gute Arbeitsklima fehlen im Sommer, eigentlich möchte ich gar nicht abschliessen...


Uma: Komm schon, Silvain, einmal musst du raus und als Komponist wirst du uns hoffentlich immer wieder mit neuen Stücken bedienen. Ich finde deine Oper grossartig und hoffe, dass sie nicht nur an der HSLU aufgeführt wird...


Luiz: ...weil du sie gern in der ganzen Welt dirigieren möchtest, gell ?


Uma: Klar, und wer weiss, vielleicht übernimmt sie das Luzerner Theater in seinen Spielplan. Es wäre nicht das erste Mal...


Hannah: Ich geh jetzt noch einmal meine Partie durch. Die neuen Überäume und die langen Öffnungszeiten kommen mir sehr gelegen, da ich abends zu Hause nicht singen kann.


Silvain: Uma und ich setzen uns in die Generalprobe. Wenn uns das Theater schon rausgeworfen hat, will ich auch hören, ob deren Stück besser ist als meines.


Uma:  Ach, lass doch dem alten Verdi diesen kleinen Vorsprung...


Luiz: Ich bleibe hier und geniesse die Abendstimmung über dem See noch etwas.  Ach ja, vergesst nicht, morgen an unsere Canciones Españolas mit Andreas von Wangenheims Gitarrenklasse zu kommen. Hasta mañana, compañeros !